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Corde Tantali

Dezember 2009 | Zürich

Corde Tantali ist ein etwa zehn-minütiges Stück für ein Nonett (Fl, Ob, Cl, Fag, Tp, Hn, Vcl, Kl und Ondes Martenot). Ich bin von verschiedenen Zahlen-Kombinationen und Wörtern ausgegangen. Es beginnt mit zwei Cluster-Klängen.
Vom ersten sehr engen, chromatischen Cluster bewegen sich die Bläser (außer Tp) zum zweiten etwas weiteren Klang. Durch Umschichtungen der Zahlenreihe habe ich die Atempausen und, damit verbunden, die Tonwechsel festgelegt. So gibt es einen konstanten Klang, der sich langsam verändert. Alle zehn Takte ergibt sich so eine Zäsur von zwei Schlägen. In Takt 17 auf der 2 beginnt die gedämpfte Trompete mit DER 12-Ton-Reihe des Stückes, also quasi mit dem „Thema“. Es folgen verschiedene Teile, deren Abfolge programmatisch gedacht ist. Das Programm ist hier lediglich als Formfindungs-Hilfe gebraucht. Das Publikum soll das Gehörte mit eigenen Assoziationen füllen. Ein paar technische Beispiele:
Der Teil B ist von der Spiegelachse zwischen Takt 65 und 66 aus in beide Richtungen konstruiert. Die Rhythmen entwickeln sich von hier aus mit Hilfe der Zahlenreihe. Sie dehnen sich jeweils immer weiter aus. Daher ist die Spiegelachse als rhythmisch dichtester Punkt deutlich hörbar. Die Töne sind Reihe, Umkehrung, Krebs und Krebs-Umkehrung in Abfolge und in den vier Transpositionen, deren Grundtöne den Anfangs-Cluster bilden.
In Teil C gehe ich frei mit dem Material um. Es soll verfremdet werden. Die verschiedenen Stimmen haben Bruchteile des Themas oder „versuchen“ Teile des Themas vergeblich zu spielen. Dieser Teil hatte deshalb den Arbeitstitel „Traumsequenz“. Am Ende gibt es eine große Steigerung und in Takt 126 setzt das Klavier unter den Clustern schüchtern mit der Begleitung des Fauré-Liedes „Au Bord de l´eau“ ein. Das Cello setzt „als Stimme“ ein, spielt jedoch das 12-Ton Thema, das ähnlich beginnt, wie das Lied. So schwebt die Tonalität von Fauré im Raum, bricht aber nicht durch. Solche oder ähnliche Dinge kommen in der Folge immer wieder vor.
Ich nehme auch das fast perkussive Element des B-Teils wieder auf. Ich verdichte und überlagere die verschiedenen Elemente.
Ab Teil E tritt auch eine Art krummer Tango-Rhythmus mit tiefen Klavier-Clustern auf, der im Rhythmus des Fagotts zu Beginn schon angelegt war und ebenfalls aus der rhythmischen Zahlenreihe gewonnen wurde.
In Takt 177 setzt, zunächst durch die Bläser versteckt, das Ondes ein und hat in Teil G ein sehr exponiertes Solo. Es spielt die Umkehrung der Reihe. Klang diese durch ihre Intervall-Struktur sehr melancholisch und sehnsuchtsvoll, so ist die Umkehrung nun entsprechend hoffnungsvoll. Begleitet wird das Ondes vom Klavier das die Cluster in sehr weiter Lage und hohem Register spielt. Das Cello zupft Anlehnungen an Fauré und die Bläser schließen die Phrase mit einer tonalen Wendung ab, die polytonal überlagert ist. Die Teile G bis J sind die fragilsten des ganzen Stückes. In Takt 212 soll die Zeit im Flageolett des Cellos schließlich still stehen. Daraus löst sich dann eine Wiederholung des Anfangs mit einem frei zu improvisierenden Ondes-Solo und Einwürfen der am Anfang nicht beteiligten Instrumente.
Das Stück endet nach einem sfz-Akzent im Tutti (Takt 246) mit dem 12-Ton-Thema im Klavier, sehr hoch, sehr rubato und sehr allein. Schließlich erreicht es den Zwöften Ton nicht mehr.

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